KDStV Staufia zu Bonn wurde an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität zu Bonn von der K.D.St.V. Bavaria im Jahre 1905 (28.02.) eine Tochterverbindung gegründet, die den Namen Staufia erhielt. Zu den Gründern der K.D.St.V. Staufia zählten:

  • Peter von Coellen (BvBo),Erster Philistersenior bis 06.09.1910
  • Josef Kausen (Ae)
  • Karl August Liessem (ArH),Erster Senior, Philistersenior 31.07.1910 bis 31.07.1919
  • Alfred Lindemann (RFb)
  • Johannes Molitor (BvBo)
  • Heinrich Tebbe (Ss)

Die Staufia bekam die Farben hellgrau-weiß-hellblau, die Fuchsenfarben hellgrau-weiß, als Kopfcouleur einen grauen Tuchstürmer, der heute ein hellgrauer Seidenstürmer ist. Der Wahlspruch der Staufia lautete von da an: „suum cuique- jedem das seine“, welcher aus der Bibel stammt, von diversen Schriftstellern behandelt und von Preußen übernommen wurde. Gründungssenior war Karl-August Liessem (ArH), der später Philistersenior von 1910-1919 war. Erster Philistersenior war Peter von Coellen.

Die Publikation der Staufia fand im Rahmen des 61. Stiftungsfestes der Bavaria vom 01.- 03. Juli 1905 statt. Ort des Festkommerses war die Stadthalle in Gronau, die im heutigen Regierungsviertel lag. Den Vorsitz übernahm Bavaria, die auch die Publikation Staufiae ausführte. Der Gründungssenior Liessem legte das Gelöbnis der Treue zum Cartellverband ab. Damit wurde Staufia in den CV aufgenommen.

Laut Academia vom 15.11.1905 meldete Staufia bereits 23 Bundesbrüder (Aktivitas), welche folgendermaßen aufgegliedert waren:

  • 5 Burschen
  • 6 Füchse
  • 12 Inaktive

Ende 1907 beschloss man die Einrichtung des Heimvereins Staufia. Vorsitzender wurde das erste Ehrenmitglied Justizrat Notar Hubert Schorn, der auch die Satzung des Heimvereins ausarbeitete und die Eintragung beim Amtsgericht Bonn erwirkte. Staufia war somit eingetragener Verein und bezog ihr erstes Haus in der Bachstraße. Dort sollte sie bis nach dem Ersten Weltkrieg ihr Heim finden.

Von da an wuchs die Mitgliederzahl der Staufia stetig. Zwar hatte man nie eine der größten Aktivitates, doch man legte auch viel mehr Wert auf Bundesbrüderlichkeit; „Mitglieder, die zu uns passen!“.

Im Sommersemester 1914, also vor dem Ausbruch des Ersten Weltkrieges, hatte Staufia 89 Mitglieder, die sich wie folgt verteilten:

  • 20 Urphilister
  • 33 Bandinhaber
  • 22 Urstudierende
  • 14 Bandinhaber

Im Ersten Weltkrieg verlor Staufia 9 Bundesbrüder (zum Vergleich: der gesamte CV verlor 1282 Mitglieder im Krieg oder an den Folgen). Diesen Bundesbrüdern wurde eine eherne Tafel mit ihren Namen als Gedächtnis entworfen und in den Häusern auf der Römerstraße bzw. Quantiusstraße angebracht. Leider ist diese Tafel nach der Liquidierung des Hauses in der Quantiusstraße verloren gegangen.

Vom Neubeginn nach dem Ersten Weltkrieg bis zum Ende des Jahres 1932

Der Neubeginn nach dem Kriege war schwer. Das Haus in der Bachstraße war viel zu klein, um Neofüchse und Cartellbrüder unterzubringen, die in Scharen herbeieilten. Außerdem hatte der Krieg für eine weitere Reduzierung der Unterbringungsmöglichkeiten gesorgt.

Ein neues Haus wurde angekauft. Man schied mit Wehmut aus dem Alten, und bezog das Neue in der Römerstraße 13.

Das Sommersemester 1919 brachte die stattliche Zahl von 14 Neofüchsen mit sich. Das Haus musste noch für caritative Zwecke abgestellt werden, wie es wörtlich heißt, „mit Einquartierung belegt“. Der Staufia war außerdem das Farbentragen noch nicht wieder gestattet worden.

So engagierte man sich im hochschulpolitischen Bereich, wo man im Wintersemester 1919/1920 drei Bundesbrüder in den Allgemeinen Studentenausschuß (ASTA) entsand. Später sogar, in den Jahren 1929/1930 hatte Staufia mit Bundesbruder Dr. Erich Mays den ASTA- Vorsitzenden, der als Kandidat des Ringes katholischer Korporationen angetreten war.

Auf dem 15. Stiftungsfest Staufiae war schon aufgrund geringer Probleme und großer Begeisterung innerhalb der Verbindung ein Auftrieb erkennbar. Im Jahre des 20-jährigen Bestehens (1925) zählte Staufia 250 Mitglieder.

In den goldenen 20er und auch bis zur Auflösung der Aktivitas 1936 wurde viel Sport getrieben. Treffend formulierte Bbr. Dr. J. Aengenendt: „Nicht weil es hochmodern ist, sondern weil sie es lange schon als notwendig erkennt, treibt Staufias Aktivitas Sport!“ Staufia besaß drei Sportboote, das erste seit Juli 1924. Der Bootswart war oben Zitierter. Es gab ein Ruderlied und eine Staufen- Ruderstrophe. Diese lautete wie folgt:

Stark der Arm und klar das Auge,
Braun die Wange, frisch der Mut
Furchen Staufias Ruderknechte
Froh des Rheines grünen Flut.
Und der grau-weiß-blaue Wimpel
Und das Fähnlein an der Brust
Sollen allezeit verkünden
Euch von Staufias Ruderlust.

Sehr beliebt waren in den 20er Exbummel an den Wochenenden. Man fuhr damals nicht „nach Hause“ (Heimfahrer = Vaganten). Dies hatte verschiedene Gründe:

  1. Schlechte Bahnverbindungen, man hatte natürlich zu der Zeit kein eigenes Auto.
  2. Es fehlte auch an Geld, um ständige Heimfahrten zu finanzieren.

„Couleurfrei“ gab es zu der Zeit nur nach dem sonntäglichen Frühschoppen, welcher auf der „Kaiserhalle“ am Kaiserplatz stattfand. Im Sommer trafen sich dort die bunt- bemützten Scharen, denn die Terrasse war ein beliebter Korporiertentreff. Heute steht an dieser Stelle der Busbahnhof.

Das Jahr 1930 beinhaltete dann Staufias letztes großes Fest vor der Auflösung (siehe Bild im Kneipsaal mit 79 Gastchargierten). Die Feierlichkeiten zum 25. Gründungsfest wurden von den Bundesbrüdern Staufiae, mittlerweile gut 300, großartig gefeiert:

Festgottesdienst, Festkommers in der Beethovenhalle, Festzug, Gedenken der Toten auf dem Alten Zoll, Festessen, Fahrt nach Boppard mit einem Sonderdampfer der „Köln- Düsseldorfer“, Exbummel zu „Villa Friede“ nach Mehlem.

Alle drei Tage des Festes stand ganz Bonn im Zeichen der grau-weiß-blauen Fahnen.

Es sollten noch zwei friedliche Jahre des Korporationswesens folgen. Doch je näher man dem Ende dieser beiden Jahre kam, desto mehr spürten die Bundesbrüder, dass eine Zeit des Umschwungs anstand, die viele Werte zerstören sollte.

Von der Machtergreifung bis zum vorläufigen Ende der Verbindung 1936/38/39

In dieser Zeit waren Cartell- und Verbindungsgeschichte eng miteinander verbunden. Den Cartellverband trafen die Gesetze und Verordnungen des NS- Regimes und diese schlugen sich selbstverständlich auf die Verbindungen nieder. 1931 hatten sich die deutschen Bischöfe eindeutig dagegen ausgesprochen, dass Katholiken gleichzeitig Mitglied der NSDAP waren. Die 61. Cartellversammlung in München im August 1932 kam mit überwältigender Mehrheit (117:5 Stimmen) zu derselben Ansicht. Damit war eine Mitgliedschaft in der NSDAP und in einer CV- Verbindung unvereinbar.

Als Adolf Hitler am 30. Januar. 1933 Reichskanzler wurde, sah man die Gefahr noch nicht als „so bedrohend“ an, denn Hindenburg war noch Reichspräsident und Vizekanzler war der katholische ehemalige Zentrumsabgeordnete Franz von Papen. Außerdem wurde der Machtwechsel als „Nationale Erhebung“ propagandiert und das nationale Gefühl sprach auch viele kirchentreue Katholiken an.

Nachdem Hitler am 23. März versprach, freundschaftliche Beziehungen zum Vatikan zu pflegen und damit auch dem Misstrauen aus der katholischen Bevölkerung entgegnete, hoben die Bischöfe das Verbot von 1931 auf. Der Altherrenbund (AHB) und der Vorort Aenania erklärten den CV- Beschluss von 1932 für hinfällig und teilten dies den einzelnen Verbindungen am 4. April mit. Nun folgten zwei Arten von Reaktionen durch die einzelnen CV- Verbindungen:

  1. Es gab Ergebenheitstelegramme ohne Abstimmung mit dem Vorort (der CV tat dies erst am 6. Mai)
  2. Verbindungen, besonders auch Bonner CV- Verbindungen und mit ihnen auch Staufia, stellten sich damals gegen den Vorort.

Am 22.4.1933 hatte die „Deutsche Studentenschaft“ (D.St.) von Staat und Partei den Auftrag erhalten „mitzuwirken, dass sie Studenten ihre Pflichten gegen Staat und Hochschulen erfüllen“, d.h. „Gleichschaltung“ der Studenten und der studentischen Verbände.

Mit der Heidelberger Verfassung des CV (.10.1933) wurde ein straffes Führerprinzip eingeführt. Der CV sollte seine Mitglieder im Sinne der NSDAP erziehen:

„Der CV, Cartellverband der Katholischen Deutschen Studentenverbindungen, ist ein Bund deutscher Studenten katholischen Bekenntnisses zur Erziehung seiner Mitglieder im Sinne der nationalsozialistischen Weltanschauung.“

Mit dem Führerprinzip kam also auch eine neue Aufgabe auf den CV zu. Doch bereits am 10. Juli 1933 waren die österreichischen Verbindungen wegen ihrer Haltung zur NSDAP aus dem CV ausgetreten (Gründung des ÖCV).

Nun forderte die D. St. ernsthaft, dass alle Studenten- auch die katholischen- die Satisfaktion mit der Waffe suchen müssten. Schließlich wurden die Verbindungshäuser in Kameradschaftshäuser umgewandelt. Diese Häuser sollten zu Erziehung der Studenten im Sinne der NSDStB (Nationalsozialistischer Deutscher Studentenbund) dienen.

Bei Staufia ging im Sommersemester 1933 und im Wintersemester 1933/34 der „Verbindungsbetrieb“ normal weiter. Die Seniores Bbr. Josef Werres (gest. 1979) und Bbr. Josef Heinrich Euter (vermisst 1944) führten die Tradition erfolgreich weiter.

Dennoch gab es bedeutende Einschnitte in das Verbindungsleben. Der D. St. legte großen Wert auf Wehrsport und ohne Mitgliedschaft in der SA konnte kein Studium begonnen, geschweige denn fortgesetzt werden. So wurde letztlich auch das Staufenhaus in der Quantiusstraße 17 zum Kameradschaftshaus umgebaut. Die finanziellen Kosten trug die Altherrenschaft. Einziges Positivum war, dass durch den Zwang zur „Wohnkameradschaft“ im Sommersemester 1934 sechs Füchse rezipiert wurden.

Der Sinn der Wohnkameradschaft wurde bei Staufia restlos verfehlt. Kein Bundesbruder war innerlich bereit, sich diesem Zwang zu unterwerfen. Allerdings waren Kontrollen der örtlichen Studentenschaft stets zu erwarten. Politische Themen waren in der Verbindung heiß diskutiert, doch hätte hierbei kein NS- Lauscher anwesend sein dürfen.

Viele Bundesbrüder wurden durch ein umfangreiches militärisches Ausbildungsprogramm mit Wehrsportlager während des Semesters und in den Semesterferien schwer belastet. Es war jedoch Pflicht, da das SA- Hochschulamt dies im Sommersemester angeordnet hatte.

An der Fronleichnamsprozession des Jahres 1934 nahm Staufia in Vollwichs bzw. in Vollcouleur teil. Dies führte zum Farbenverbot durch den Studentenführer.

Während dieses Farbenverbotes fand auf dem Marktplatz eine gemeinsame, angeordnete Kundgebung von Farbenstudenten und Hitler- Jugend statt, die die nationalsozialistische Gemeinsamkeit der beiden Gruppen auch nach einem tätlichen Angriff der HJ auf einen couleurtragenden Farbenstudenten demonstrieren sollte. Der Staufia blieb aufgrund des Farbenverbotes diese Kundgebung erspart. Viele Farbenstudenten traten in „Räuberzivil“, d.h. Couleur auf Stiefelhose oder Pullover. Die Veranstaltung platzte, als der HJ- Gebietsführer die Farbenstudenten anpöbelte und diese darauf mit Gesang der alten Studentenlieder durch die Stadt zum Alten Zoll zogen.

Sofort erließ der Studentenführer ein allgemeines Farbenverbot, welches der Rektor – selbst Waffenstudent – aufhob, da Farbenverbote in seinen Zuständigkeitsbereich fielen. Am folgenden Tag bot sich ein buntes Bild in der Bonner Innenstadt, da farbentragende Studenten und Alte Herren aller Altersstufen sich dort trafen.

Nach dem Sommersemester 1934 wurden die Wohnkameradschaften und das SA- Hochschulamt aufgelöst, da es Differenzen und große Streitigkeiten zwischen D. St., dem zuständigen Reichsminister, NSDStB und der Gemeinschaft studentischer Verbände (GStV) gab.

Dies ermöglichte den Korporationen eine Atempause bis zum September 1935.

Es folgten nach den Ereignissen des Sommersemesters 1934 ein unbeschwertes Wintersemester 1934/35 unter dem Seniorat von Bbr. Adolf Hinsen und ein sehr schönes Sommersemester 1935 mit dem Senior Bbr. Karlgustav Frenz. Das 30. Stiftungsfest war dann auch das letzte gemeinsame Auftreten der Staufenfamilie in der Öffentlichkeit. Am 27.10.1935 wurde die Aktivitas des CV gegen die Stimmen von Staufia und vier weiteren Verbindungen aufgelöst.

Die gleiche Haltung nahm der CC des Gründungsfestes 1936 ein, wo aus Kreisen der Altherrenschaft die Selbstauflösung der Aktivitas gefordert wurde. Allerdings von Bundesbrüdern, die noch im Februar 1936 aus der Verbindung austraten.

Der Verbindungsbetrieb lief zwar weiter, doch Staufia hatte akuten Nachwuchsmangel und trat auch in der Öffentlichkeit nicht mit ihren Farben auf.

Der Senior des Sommersemesters 1936, Bbr. Karl Michels, hatte als einzige Aufgabe, die Bundesbrüder auf einem außerordentlichen CC zu begrüßen und die Aktivitas zu schließen. Die aktiven Bundesbrüder wurden in die Altherrenschaft aufgenommen und nach dem Examen philistriert.

Nach der Auflösung des AHB des CV 1938 und damit aller Altherrenverbände durch den Erlass des Reichsführers der SS und Chef der GeStaPo, Heinrich Himmler, war das einzige noch intakte Glied der Verbindung der Heimverein. Das Haus war inzwischen enteignet worden. Im April 1939 der Heimverein in der Sitzung im Hotel „Kölner Hof“ am Kölner Hauptbahnhof unter Beisein der GeStaPo aufgelöst. Es Wurde mitgeteilt, dass jede weitere Versammlung der Bundesbrüder verboten sei. Die Bundesbrüder Staufiae jedoch widersetzten sich und trafen sich schon kurze Zeit später in der nur wenige Minuten entfernten „Ewigen Lampe“.

Das achteinhalb Jahre später die K.D.St.V. Staufia offiziell wiederbegründet würde, wagte in diesem Moment keiner zu hoffen.

Matthias Döveling, St!

Das aktuelle Wappen der Verbindung

Das alte Staufenwappen!Entworfen von Franz Virnich

100 Jahre K.D.St.V. Staufia

Artikel auf der CV-Homepage (pdf)
Artikel im Generalanzeiger Bonn (jpg)
Artikel in der Kölner Rundschau - Bonn (jpg)

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