In memoriam

Das Grab des Gründungsseniors August Liessem

Totengedenken
  für die verstorbenen Bundesbrüder des vergangenen Jahres: Hubert Schorn, Alfred Neumann und Wilhelm Sternemann

Samstag,  12. November 2005

zuvor Tagesprogramm [Infos]

15.45 hst

Treffen auf dem Haus und Abfahrt zum Südfriedhof

16.00 hst

Trauergang

zum Grab des Gründungsseniors August Liessem

(Südfriedhof, Servatiusstraße, Bonn-Dottendorf)

16.45 hst

Kaffeetafel

auf dem Staufenhaus

Kuchenspenden erbeten

18.30 hct

Requiem für die verstorbenen Staufen

in der Kapelle Maria Königin

Meckenheimer Allee, Ecke Beethovenstraße

Celebrant: AH Heinrich Lanius

anschl.

Gemeinsames Abendessen

Anmeldung bis 07.11. beim xx erbeten

20.00 hct Trauerkneipe
     
     
 

Liebe Schwestern und Brüder!

 

Heute haben wir einen Text gehört, der dem Buch Daniel entnommen ist: ein Loblied auf Sonne und Mond, auf alles, was Gott geschaffen hat. Doch dieser Hymnus ist mehr als ein Gesang auf den Urheber der Schöpfung. Er ist ein Lied auf den Herrn, der das Los der Geschichte in seinen Händen hält.

 

Das trifft zunächst auf die drei Jünglinge im Feuerofen zu, die trotz des Todesurteils nicht klagen, sondern singen. Einen Götzen aus Gold wollten sie nicht anbeten, dafür setzten sie ihr ganzes Leben auf Jahwe. Deshalb sollten sie den Feuertod sterben. Doch die Flammen konnten ihnen nichts anhaben.

 

Der Gesang der Jünglinge bleibt kein Trio; er weitet sich zu einem großen Chor. Es ist der österliche Chor, in dem seit fast zweitausend Jahren die Stimmen der Christen zusammenklingen, um aus voller Kehle das "Halleluja" zu singen: Der Tod hat den Kürzeren gezogen. Jesus lebt, mit ihm auch ich! Tod, wo sind nun deine Schrecken?

Papst Johannes Paul II. in der Generalaudienz

am 02.05.2001 auf dem Petersplatz

"Den toten Staufen zum Gedenken" - Gedenktafel im Staufenhaus

 

 

 
     
 

Das Buch Daniel, Kapitel 3

Die drei jungen Männer im Feuerofen: 3,1-97

Die Standhaftigkeit der drei Freunde

1 König Nebukadnezzar ließ ein goldenes Standbild machen, sechzig Ellen hoch und sechs Ellen breit, und ließ es in der Ebene von Dura in der Provinz Babel aufstellen.

2 Dann berief König Nebukadnezzar die Satrapen, Präfekten und Statthalter ein, die Räte, Schatzmeister, Richter und Polizeiobersten und alle anderen hohen Beamten der Provinzen; sie sollten zur Einweihung des Standbildes kommen, das König Nebukadnezzar errichtet hatte.

3 Da versammelten sich die Satrapen, Präfekten und Statthalter, die Räte, Schatzmeister, Richter und Polizeiobersten und alle anderen hohen Beamten der Provinzen zur Einweihung des Standbildes, das König Nebukadnezzar errichtet hatte. Sie stellten sich vor dem Standbild auf, das König Nebukadnezzar errichtet hatte.

4 Nun verkündete der Herold mit mächtiger Stimme: Ihr Männer aus allen Völkern, Nationen und Sprachen, hört den Befehl!

5 Sobald ihr den Klang der Hörner, Pfeifen und Zithern, der Harfen, Lauten und Sackpfeifen und aller anderen Instrumente hört, sollt ihr niederfallen und das goldene Standbild anbeten, das König Nebukadnezzar errichtet hat.

6 Wer aber nicht niederfällt und es anbetet, wird noch zur selben Stunde in den glühenden Feuerofen geworfen.

7 Sobald daher alle Völker den Klang der Hörner, Pfeifen und Zithern, der Harfen, Lauten und Sackpfeifen und der anderen Instrumente hörten, fielen die Männer aus allen Völkern, Nationen und Sprachen sogleich nieder und beteten das goldene Standbild an, das König Nebukadnezzar errichtet hatte.

8 Sogleich traten einige Chaldäer auf und verklagten die Juden.

9 Sie sagten zum König Nebukadnezzar: O König, mögest du ewig leben.

10 Du, König, hast doch selbst den Befehl erlassen: Jeder soll niederfallen und das goldene Standbild anbeten, wenn er den Klang der Hörner, Pfeifen und Zithern, der Harfen, Lauten und Sackpfeifen und aller anderen Instrumente hört.

11 Wer aber nicht niederfällt und es anbetet, wird in den glühenden Feuerofen geworfen.

12 Nun sind da einige Juden, denen du die Verwaltung der Provinz Babel anvertraut hast: Schadrach, Meschach und Abed-Nego. Diese Männer missachten dich, König. Sie verehren deine Götter nicht und beten das goldene Standbild, das du errichtet hast, nicht an.

13 Da befahl Nebukadnezzar voll Zorn und Wut, Schadrach, Meschach und Abed-Nego herbeizuholen. Man führte die Männer also vor den König.

14 Nebukadnezzar sagte zu ihnen: Ist es wahr, Schadrach, Meschach und Abed-Nego: Ihr verehrt meine Götter nicht und betet das goldene Standbild nicht an, das ich errichtet habe?

15 Nun, wenn ihr bereit seid, sobald ihr den Klang der Hörner, Pfeifen und Zithern, der Harfen, Lauten und Sackpfeifen und aller anderen Instrumente hört, sofort niederzufallen und das Standbild anzubeten, das ich habe machen lassen, ist es gut; betet ihr es aber nicht an, dann werdet ihr noch zur selben Stunde in den glühenden Feuerofen geworfen. Welcher Gott kann euch dann aus meiner Gewalt erretten?

16 Schadrach, Meschach und Abed-Nego erwiderten dem König Nebukadnezzar: Wir haben es nicht nötig, dir darauf zu antworten:

17 Wenn überhaupt jemand, so kann nur unser Gott, den wir verehren, uns erretten; auch aus dem glühenden Feuerofen und aus deiner Hand, König, kann er uns retten.

18 Tut er es aber nicht, so sollst du, König, wissen: Auch dann verehren wir deine Götter nicht und beten das goldene Standbild nicht an, das du errichtet hast.

19 Da wurde Nebukadnezzar wütend; sein Gesicht verzerrte sich vor Zorn über Schadrach, Meschach und Abed-Nego. Er ließ den Ofen siebenmal stärker heizen, als man ihn gewöhnlich heizte.

20 Dann befahl er, einige der stärksten Männer aus seinem Heer sollten Schadrach, Meschach und Abed-Nego fesseln und in den glühenden Feuerofen werfen.

21 Da wurden die Männer, wie sie waren - in ihren Mänteln, Röcken und Mützen und den übrigen Kleidungsstücken - gefesselt und in den glühenden Feuerofen geworfen.

22 Nach dem strengen Befehl des Königs war aber der Ofen übermäßig geheizt worden und die herausschlagenden Flammen töteten die Männer, die Schadrach, Meschach und Abed-Nego hingebracht hatten.

23 Die drei Männer aber, Schadrach, Meschach und Abed-Nego, fielen gefesselt in den glühenden Feuerofen.

 

Das Gebet des Asarja

24 Doch sie gingen mitten in den Flammen umher, lobten Gott und priesen den Herrn.

25 Asarja blieb stehen, öffnete den Mund und sprach mitten im Feuer folgendes Gebet:

26 Gepriesen und gelobt bist du, Herr, Gott unserer Väter; herrlich ist dein Name in alle Ewigkeit.

27 Denn du bist gerecht in allem, was du getan hast. All deine Taten sind richtig, deine Wege gerade. Alle deine Urteile sind wahr.

28 Du hast gerechte Strafen verhängt, in allem, was du über uns gebracht hast und über Jerusalem, die heilige Stadt unserer Väter. Ja, nach Wahrheit und Recht hast du all dies wegen unserer Sünden herbeigeführt.

29 Denn wir haben gesündigt und durch Treubruch gefrevelt und haben in allem gefehlt.

30 Wir haben deinen Geboten nicht gehorcht, haben weder beachtet noch getan, was du uns zu unserem Wohl befohlen hast.

31 Alles, was du uns geschickt hast, alles, was du uns getan hast, das hast du nach deiner gerechten Entscheidung getan.

32 Du hast uns der Gewalt gesetzloser Feinde und gehässiger Verräter preisgegeben und einem ungerechten König, dem schlimmsten König der ganzen Welt.

33 Und jetzt dürfen wir nicht einmal den Mund auftun. Schande und Schmach kam über deine Diener und Verehrer.

34 Um deines Namens willen verwirf uns nicht für immer; löse deinen Bund nicht auf!

35 Versag uns nicht dein Erbarmen, deinem Freund Abraham zuliebe, deinem Knecht Isaak und Israel, deinem Heiligen,

36 denen du Nachkommen verheißen hast so zahlreich wie die Sterne am Himmel und wie der Sand am Ufer des Meeres.

37 Ach, Herr, wir sind geringer geworden als alle Völker. In aller Welt sind wir heute wegen unserer Sünden erniedrigt.

38 Wir haben in dieser Zeit weder Vorsteher noch Propheten und keinen, der uns anführt, weder Brandopfer noch Schlachtopfer, weder Speiseopfer noch Räucherwerk, noch einen Ort, um dir die Erstlingsgaben darzubringen und um Erbarmen zu finden bei dir.

39 Du aber nimm uns an! Wir kommen mit zerknirschtem Herzen und demütigem Sinn.

40 Wie Brandopfer von Widdern und Stieren, wie Tausende fetter Lämmer, so gelte heute unser Opfer vor dir und verschaffe uns bei dir Sühne. Denn wer dir vertraut, wird nicht beschämt.

41 Wir folgen dir jetzt von ganzem Herzen, fürchten dich und suchen dein Angesicht.

42 Überlass uns nicht der Schande, sondern handle an uns nach deiner Milde, nach deinem überreichen Erbarmen!

43 Errette uns, deinen wunderbaren Taten entsprechend; verschaff deinem Namen Ruhm, Herr!

44 Doch alle, die deinen Dienern Böses tun, sollen beschämt werden. Sie sollen zuschanden werden und ihre Herrschaft verlieren. Ihre Stärke soll zerschlagen werden.

45 Sie sollen erkennen, dass du allein der Herr und Gott bist, ruhmreich auf der ganzen Erde.

46 Die Knechte des Königs, die die drei Männer in den Ofen geworfen hatten, hörten inzwischen nicht auf, den Ofen mit Harz und Werg, Pech und Reisig zu heizen.

47 So schlugen die Flammen bis zu neunundvierzig Ellen hoch aus dem Ofen heraus.

48 Sie griffen um sich und verbrannten jeden Chaldäer, den sie im Umkreis des Ofens erfassen konnten.

49 Aber der Engel des Herrn war zusammen mit Asarja und seinen Gefährten in den Ofen hinabgestiegen. Er trieb die Flammen des Feuers aus dem Ofen hinaus

50 und machte das Innere des Ofens so, als wehte ein taufrischer Wind. Das Feuer berührte sie gar nicht; es tat ihnen nichts zuleide und belästigte sie nicht.

 

Der Lobgesang der drei jungen Männer

51 Da sangen die drei im Ofen wie aus einem Mund, sie rühmten und priesen Gott mit den Worten:

52 Gepriesen bist du, Herr, du Gott unserer Väter, / gelobt und gerühmt in Ewigkeit. Gepriesen ist dein heiliger, herrlicher Name, / hoch gelobt und verherrlicht in Ewigkeit.

53 Gepriesen bist du im Tempel deiner heiligen Herrlichkeit, / hoch gerühmt und verherrlicht in Ewigkeit.

54 Gepriesen bist du, der in die Tiefen schaut und auf Kerubim thront, / gelobt und gerühmt in Ewigkeit.

55 Gepriesen bist du auf dem Thron deiner Herrschaft, / hoch gerühmt und gefeiert in Ewigkeit.

56 Gepriesen bist du am Gewölbe des Himmels, / gerühmt und verherrlicht in Ewigkeit.

57 Preist den Herrn, all ihr Werke des Herrn; / lobt und rühmt ihn in Ewigkeit!

58 Preist den Herrn, ihr Himmel; / lobt und rühmt ihn in Ewigkeit!

59 Preist den Herrn, ihr Engel des Herrn; / lobt und rühmt ihn in Ewigkeit!

60 Preist den Herrn, all ihr Wasser über dem Himmel; / lobt und rühmt ihn in Ewigkeit!

61 Preist den Herrn, all ihr Mächte des Herrn; / lobt und rühmt ihn in Ewigkeit!

62 Preist den Herrn, Sonne und Mond; / lobt und rühmt ihn in Ewigkeit!

63 Preist den Herrn, ihr Sterne am Himmel; / lobt und rühmt ihn in Ewigkeit!

64 Preist den Herrn, aller Regen und Tau; / lobt und rühmt ihn in Ewigkeit!

65 Preist den Herrn, all ihr Winde; / lobt und rühmt ihn in Ewigkeit!

66 Preist den Herrn, Feuer und Glut; / lobt und rühmt ihn in Ewigkeit!

67 Preist den Herrn, Frost und Hitze; / lobt und rühmt ihn in Ewigkeit!

68 Preist den Herrn, Tau und Schnee; / lobt und rühmt ihn in Ewigkeit!

69 Preist den Herrn, Eis und Kälte; / lobt und rühmt ihn in Ewigkeit!

70 Preist den Herrn, Raureif und Schnee; / lobt und rühmt ihn in Ewigkeit!

71 Preist den Herrn, ihr Nächte und Tage; / lobt und rühmt ihn in Ewigkeit!

72 Preist den Herrn, Licht und Dunkel; / lobt und rühmt ihn in Ewigkeit!

73 Preist den Herrn, ihr Blitze und Wolken; / lobt und rühmt ihn in Ewigkeit!

74 Die Erde preise den Herrn; / sie lobe und rühme ihn in Ewigkeit.

75 Preist den Herrn, ihr Berge und Hügel; / lobt und rühmt ihn in Ewigkeit!

76 Preist den Herrn, all ihr Gewächse auf Erden; / lobt und rühmt ihn in Ewigkeit!

77 Preist den Herrn, ihr Quellen; / lobt und rühmt ihn in Ewigkeit!

78 Preist den Herrn, ihr Meere und Flüsse; / lobt und rühmt ihn in Ewigkeit!

79 Preist den Herrn, ihr Tiere des Meeres / und alles, was sich regt im Wasser; / lobt und rühmt ihn in Ewigkeit!

80 Preist den Herrn, all ihr Vögel am Himmel; / lobt und rühmt ihn in Ewigkeit!

81 Preist den Herrn, all ihr Tiere, wilde und zahme; / lobt und rühmt ihn in Ewigkeit!

82 Preist den Herrn, ihr Menschen; / lobt und rühmt ihn in Ewigkeit!

83 Preist den Herrn, ihr Israeliten;/ lobt und rühmt ihn in Ewigkeit!

84 Preist den Herrn, ihr seine Priester; / lobt und rühmt ihn in Ewigkeit!

85 Preist den Herrn, ihr seine Knechte; / lobt und rühmt ihn in Ewigkeit!

86 Preist den Herrn, ihr Geister und Seelen der Gerechten; / lobt und rühmt ihn in Ewigkeit!

87 Preist den Herrn, ihr Demütigen und Frommen; / lobt und rühmt ihn in Ewigkeit!

88 Preist den Herrn, Hananja, Asarja und Mischaël; / lobt und rühmt ihn in Ewigkeit! Denn er hat uns der Unterwelt entrissen / und aus der Gewalt des Todes errettet. Er hat uns aus dem lodernden Ofen befreit, / uns mitten aus dem Feuer erlöst.

89 Dankt dem Herrn, denn er ist gütig; / denn seine Huld währt ewig.

90 Preist alle den Herrn, ihr seine Verehrer, / preist den Gott der Götter; singt ihm Lob und Dank; / denn ewig währt seine Güte.

 

Die Rettung der drei Freunde

91 Da erschrak der König Nebukadnezzar; er sprang auf und fragte seine Räte: Haben wir nicht drei Männer gefesselt ins Feuer geworfen? Sie gaben dem König zur Antwort: Gewiss, König!

92 Er erwiderte: Ich sehe aber vier Männer frei im Feuer umhergehen. Sie sind unversehrt und der vierte sieht aus wie ein Göttersohn.

93 Dann ging Nebukadnezzar zu der Tür des glühenden Ofens und rief: Schadrach, Meschach und Abed-Nego, ihr Diener des höchsten Gottes, steigt heraus, kommt her! Da kamen Schadrach, Meschach und Abed-Nego aus dem Feuer heraus.

94 Nun drängten auch die Satrapen, Präfekten, Statthalter und die königlichen Räte herbei. Sie sahen sich die Männer an und fanden, dass das Feuer keine Macht über ihren Körper gehabt hatte. Kein Haar auf ihrem Kopf war versengt. Ihre Mäntel waren unversehrt und nicht einmal Brandgeruch haftete ihnen an.

95 Da rief Nebukadnezzar aus: Gepriesen sei der Gott Schadrachs, Meschachs und Abed-Negos. Denn er hat seinen Engel gesandt und seine Diener gerettet. Im Vertrauen auf ihn haben sie lieber den Befehl des Königs missachtet und ihr Leben dahingegeben, als dass sie irgendeinen anderen als ihren eigenen Gott verehrten und anbeteten.

96 Darum ordne ich an: Jeder, der vom Gott des Schadrach, Meschach und Abed-Nego verächtlich spricht, zu welcher Völkerschaft, Nation oder Sprache er auch gehört, soll in Stücke gerissen und sein Haus soll in einen Trümmerhaufen verwandelt werden. Denn es gibt keinen anderen Gott, der auf diese Weise retten kann.

97 Darauf sorgte der König dafür, dass es Schadrach, Meschach und Abed-Nego in der Provinz Babel gut ging.

Nebukadnezzars Traum vom stolzen Baum: 3,98 - 4,34

98 Der König Nebukadnezzar an alle Völker, Nationen und Sprachen auf der ganzen Erde: Friede sei mit euch in Fülle.

99 Es ist mir eine Freude, die Zeichen und Wunder zu verkünden, die der höchste Gott an mir getan hat.

100 Wie groß sind seine Zeichen, wie gewaltig seine Wunder! Sein Reich ist ein ewiges Reich; seine Herrschaft überdauert alle Generationen.

 

Gesang der drei Jünglinge im Feuerofen, Psalm zur Vorbereitung der Priester vor der Leithourgia. Fresko aus dem 11. Jhd. Diakonikon der Großen Kirche des Klosters des seligen Lukas, Byzanz


Buchmalerei, Miniatur 15. Jh. Wien, Österreichische Nationalbibliothek

Tempera auf Holz
22 x 17 cm
Russland, 19. Jahrhundert
Randheilige: Schutzengel, Daniel, Varlaam und Joasaph

     
     
 

Jedes Geschöpf lobe den Herrn
(Lesung: Dan 3, 57 – 88. 56) 

1. »Preist den Herrn, all ihr Werke des Herrn« (Dan 3,57). Ein kosmischer Hauch durchzieht diesen Lobgesang aus dem Buch Daniel, den das Stundengebet für die Laudes am Sonntag der ersten und dritten Woche vorsieht. Dieses wundervolle litaneiartige Gebet paßt sehr gut zum »Dies Domini«, zum Tag des Herrn, der uns im auferstandenen Christus den Höhepunkt des Heilsplanes Gottes für den Kosmos und die Geschichte betrachten läßt. Denn in ihm, Alpha und Omega, Anfang und Ende der Geschichte (vgl. Offb 22,13), erhält die Schöpfung selbst ihren ganzen Sinn, weil – wie Johannes im Prolog seines Evangeliums schreibt – »alles …durch das Wort geworden [ist]« (1,3). In der Auferstehung Christi gipfelt die Heilsgeschichte, und die Menschheit öffnet sich für die Gabe des Geistes und der Gotteskindschaft in Erwartung der Wiederkehr des göttlichen Bräutigams, der die Welt an Gott, den Vater, übergeben wird (vgl.1 Kor 15,24). 

2. In diesem litaneiartigen Text werden uns alle Dinge gleichsam vor Augen geführt. Der Blick richtet sich auf die Sonne, den Mond und die Sterne; er legt sich auf die unermeßliche Weite der Wasser, er erhebt sich zu den Bergen, er macht Halt bei den unterschiedlichen Wetterphänomenen; er geht von der Wärme zur Kälte, vom Licht zur Finsternis; er berücksichtigt die Welt der Mineralien und der Pflanzen und verweilt bei den verschiedenen Tierarten. Der Aufruf wird dann universaler Art: Er bezieht die Engel Gottes mit ein und wendet sich an alle Menschenkinder, besonders betrifft er jedoch das Volk Gottes, Israel, dessen Priester und Gerechte. Es ist ein großer Chor, eine Symphonie, in der die vielen Stimmen ihren Gesang zu Gott erheben, dem Schöpfer des Universums und Herrn der Geschichte. Im Lichte der christlichen Offenbarung vorgetragen, wendet er sich an den dreifaltigen Gott. Eben hierzu fordert uns ja die Liturgie auf, die dem Canticum eine trinitarische Formel hinzufügt: »Laßt uns preisen den Vater und den Sohn mit dem Heiligen Geist …«.

3. In diesem Lobgesang spiegelt sich in einem gewissen Sinn die universale religiöse Seele wider, die in der Welt die Spuren Gottes erkennt und sich zur Betrachtung des Schöpfers emporhebt. Im Zusammenhang des Buches Daniel hingegen stellt sich diese Hymne dar als Dank dreier junger Israeliten: Hananja, Asarja und Mischaël. Sie waren zum Tod durch Verbrennen in einem Ofen verurteilt, weil sie sich geweigert hatten, die goldene Statue Nebukadnezars anzubeten, jedoch wurden sie auf wunderbare Weise vor den Flammen bewahrt. Hintergrund dieses Ereignisses ist jene besondere Heilsgeschichte, in der Gott das Volk Israel als sein Volk erwählt und mit ihm einen Bund schließt. Und genau diesem Bund wollen die drei jungen Israeliten treu bleiben, sogar um den Preis des Märtyrertods im Feuerofen. Ihre Treue findet eine Antwort in der Treue Gottes, der ihnen einen Engel sendet, um die Flammen von ihnen fernzuhalten (vgl. Dan 3,49). 

Somit steht dieser Lobpreis in der Reihe jener Lobgesänge aufgrund überstandener Gefahren, wie wir sie im Alten Testament finden. Unter ihnen ist das Siegeslied in Kapitel 14 des Buches Exodus besonders berühmt: In ihm zeigen die Juden ihre Dankbarkeit gegenüber dem Herrn für jene Nacht, in der sie unweigerlich vom Heer des Pharao übermannt worden wären, wenn der Herr ihnen nicht eine Straße zwischen den Wassern gebahnt und »Rosse und Wagen« ins Meer geworfen hätte (Ex 15,1). 

4. Nicht zufällig läßt uns die Liturgie jedes Jahr in der feierlichen Osternacht die von den Israeliten beim Auszug gesungene Hymne wiederholen. Die Straße, die ihnen damals bereitet wurde, verkündete prophetisch den neuen Weg, den der auferstandene Christus in der heiligen Nacht seiner Auferstehung von den Toten für die Menschheit eröffnet hat. Unser symbolischer Durchgang durch das Taufwasser erlaubt es uns, eine ähnliche Erfahrung des Übergangs vom Tod zum Leben zu machen, dank des Sieges über den Tod, den Jesus für uns alle errungen hat. 

Wenn wir in der sonntäglichen Liturgie der Laudes den Lobpreis der drei jungen Israeliten wiederholen, wollen wir Jünger Christi in gleicher Weise Dank sagen für die großen Werke Gottes in der Schöpfung und vor allem im Ostergeheimnis. 

Der Christ erkennt nämlich eine Verbindung zwischen der Befreiung der drei jungen Männer, von denen im Lobgesang die Rede ist, und der Auferstehung Jesu. In ihr sieht die Apostelgeschichte die Erfüllung des Gebets des Gläubigen, der – wie der Psalmist – vertrauensvoll singt: »Denn du gibst mich nicht der Unterwelt preis, noch läßt du deinen Frommen die Verwesung schauen« (Apg 2,27; Ps 15,10). 

Diese Verbindung zwischen diesem Lobgesang und der Auferstehung ist tief in der Tradition verwurzelt. Es gibt uralte Zeugnisse dafür, daß dieser Hymnus ein Bestandteil des Gebetes am Tag des Herrn ist, dem wöchentlichen Osterfest der Christen. Außerdem sind in den römischen Katakomben ikonografische Fundstücke erhalten, auf denen die drei Jugendlichen betend und unversehrt zwischen den Flammen zu sehen sind und auf diese Weise die Wirksamkeit des Gebets und die Gewißheit des Eingreifens unseres Herrn bezeugen. 

5. »Gepriesen bist du am Gewölbe des Himmels, gerühmt und verherrlicht in Ewigkeit« (Dan 3,56). Wenn der Christ diese Hymne am Sonntagmorgen singt, fühlt er sich dankbar – nicht nur für das Geschenk der Schöpfung, sondern auch weil er der Adressat der väterlichen Fürsorge Gottes ist, der ihn in Christus zur Würde eines Kindes Gottes erhoben hat. 

Eine väterliche Fürsorge, die mit neuen Augen auf die Schöpfung schauen und deren Schönheit auskosten läßt, denn in ihr erkennt man – wie bei einem Wasserzeichen – die Liebe Gottes. Mit diesen Empfindungen betrachtete der hl. Franziskus von Assisi die Schöpfung und erhob sein Lob zu Gott, der letztendlichen Quelle aller Schönheit. Ganz spontan können wir uns vorstellen, daß die Preisungen dieses Bibeltextes in seinem Gemüt widerhallten, als er in San Damiano, nachdem er schwerstes Leid an Leib und Geist erfahren hatte, seinen Sonnengesang verfaßte.

Papst Johannes Paul II. in der Generalaudienz am 02.05.2001 auf dem Petersplatz

 

 
     

 

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