Eine Kooperation der KDStV Staufia

mit der Deutschen Atlantischen Gesellschaft

Generalmajor a.D. Millotat

 

Begleitung zum Rettungszentrum des PRT

 

Gründliche Untersuchung des Geretteten

 

Minister Struck mit deutschen und irakischen Soldaten

 

Führungspersonal von UNMIK und KFOR im Gespräch mit Peter Struck

 

Bundeswehrsoldaten mit Kinder.  (Raum Kunduz)

 

Soldat der Bundeswehr, im Hintergrund Schülerinnen einer Mädchenschule (Raum Kunduz)

 

Soldaten und Afghanen füllen Sandsäcke (Raum Kunduz)

 

Vor einer Schule nahe Kunduz (Raum Kunduz)

 

Baustellenschild für den Bau des KAIPTC

Soldaten vor afghanischer Landschaft (Kabul)

 

Soldaten spielen Volleyball im Camp Warehouse.  (Kabul)

 

"Die Sicherheit Deutschlands wird auch am Hindukusch verteidigt"*

 

Die Transformation der Bundeswehr

 

*Minister für Verteidigung Peter Struck, 7.12.02

 

Vortrag von

Generalmajor a.D. Christian E. Millotat

 

 

Mittwoch, 18. Januar 2006

19.30 hst

Begrüßung durch

  • Jürgen Frings-Neß (Philistersenior der Staufia)

  • Cbr. Johannes Lay (Geschäftsführer Deutsch-Atlantische Gesellschaft, Bonn)

  • Dr. Sigurd Hess (Konteradmiral a. D., Präsident des deutschen Marineinstitutes)

19.35 hst Vortrag
anschl. Diskussion
anschl. Imbiss

 

 

 

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Hinführung:

 

"Die Sicherheit Deutschlands wird auch am Hindukusch verteidigt"

Statt Landesverteidigung soll die Bundeswehr im Rahmen einer neuen strategischen Ausrichtung andere Aufgaben erhalten
 

Landesverteidigung steht für die Bundeswehr "nicht mehr an der ersten Stelle": "Die Sicherheit Deutschlands wird auch am Hindukusch verteidigt", betonte Verteidigungsminister Peter Struck (SPD). Zudem will er die Verteidigungspolitischen Richtlinien (VPR) neu fassen. "Wenn solches Denken Schule macht, landet die Welt über kurz oder lang im Chaos. Mit demselben Recht könnten Pakistan, Indien, China oder jedes x-beliebige Land in ihren Militärdoktrinen festlegen, dass deren Verteidigung am Rhein stattfindet", warnte die Friedensbewegung.

Struck will jetzt die in den letzten Jahren immer wieder angekündigte Neufassung der Verteidigungspolitischen Richtlinien (VPR) in Angriff nehmen. Im Frühjahr sollen die neuen Richtlinien vorgelegt werden. Die momentan gültigen hatte Verteidigungsminister Volker Rühe (CDU) am 26. November 1992 erlassen. Aufsehen erregte damals besonders Punkt 8 der Richtlinien. Als "vitale Sicherheitsinteressen" Deutschlands wurden hier auch wirtschaftliche Interessen aufgeführt, für die die Bundeswehr in den Krieg ziehen soll:

"Aufrechterhaltung des freien Welthandels und des ungehinderten Zugangs zu Märkten und Rohstoffen in aller Welt im Rahmen einer gerechten Weltwirtschaftsordnung."

Die schon jetzt als "Struck-Doktrin" in der Presse gehandelten Ankündigungen des Verteidigungsministers wurden parteiübergreifend begrüßt. So sprach Angelika Beer kurz vor ihrer überraschenden Wahl zur grünen Parteivorsitzenden laut "Frankfurter Rundschau" vom 7. Dezember 2002 von einem "überfälligen Schritt". "Jeder weiß, dass die Landesverteidigung auf absehbare Zeit keine Rolle mehr spielt". Jetzt müsse noch die Wehrpflicht abgeschafft und sollten weitere Bundeswehrstandorte geschlossen werden.

Bei der Union rannte Struck offene Türen ein. In einem Interview mit der "Frankfurter Rundschau" vom 11. Dezember sagte Wolfgang Schäuble, der in seiner Fraktion für Sicherheits- und Verteidigungspolitik zuständig ist, auf die Frage "Sicherheitsinteressen bis zum Hindukusch - können Sie sich damit im Grundsatz anfreunden?": "Es ist ein erster Schritt in die richtige Richtung. Denn wir brauchen eine realistische, aktualisierte Bedrohungsanalyse." Erst kürzlich hatte sich Schäuble für eine Übernahme der US-amerikanischen Doktrin der Präventivschläge ausgesprochen, um Massenvernichtungswaffen und Terrorismus zu bekämpfen:

"Man kann diese Gefahren aber nur vermeiden, indem man Anschläge und den Einsatz von Massenvernichtungswaffen verhindert. Mit Vergeltung, also einem Zweitschlag, schützen Sie unsere Bevölkerung nicht."

Für verfassungswidrig hält dagegen die Internationale Vereinigung von Juristen gegen Atomwaffen (Ialana) das Vorhaben der Regierung. Die Bundeswehr sei laut Grundgesetz "nicht als beliebig verwendbares Instrument der Außen- und Sicherheitspolitik geschaffen". Art. 87a lege die Bundeswehr auf die Landesverteidigung fest, Ausnahmen bestünden aufgrund von Art. 24 nur im Rahmen der UNO, wie das Bundesverfassungsgericht 1994 entschieden habe. Selbst bei einer Änderung des Grundgesetzes hätte sich die Bundesrepublik an den Briand-Kellogg-Pakt von 1928 zu halten, in dem die Parteien auf Krieg "als Werkzeug nationaler Politik in ihren gegenseitigen Beziehungen verzichten".

Die veränderte strategische Ausrichtung der Bundeswehr nutzt Struck zu Einsparungen. Die Organisationsstruktur der Bundeswehr soll schlanker werden, da aufwendige Mobilmachungsvorbereitungen wegen der fehlenden direkten Bedrohung des Territoriums der Bundesrepublik Deutschland nicht mehr nötig sind. Um die Betriebskosten zu senken, soll altes Gerät schneller ausgemustert werden. Außerdem will Struck weniger Exemplare vom Militärtransporter Airbus angeschaffen, und auch bei der Bewaffnung des Eurofighter wird gespart. Von der Rakete "Meteor" (Noch mal 1,7 Mrd. Euro für die Rüstung?) werden statt 1.488 nur 600 Exemplare , von der Rakete "Iris-T", die Standardbewaffnung für Eurofighter und Tornado, nur 1.250 Stück statt wie bisher beabsichtigt 1.812. "Die Reduzierung ist verantwortbar, da wir im unwahrscheinlichen Fall der Landesverteidigung zeitgerecht weitere Flugkörper beschaffen können", so Struck. Das schafft Spielraum für Neuanschaffungen, die für die neue Hauptaufgabe "internationale Einsätze" gebraucht werden, wie zum Beispiel für die Beschaffung eines neuen Schützenpanzers als Nachfolger für den "Marder". "Die Bundeswehr muss und wird das Material bekommen, welches sie für ihre Hauptaufgaben benötigt", versicherte Struck. Er legte ausdrücklich Wert auf die Feststellung, dass "entgegen den häufig auch in der Presse angekündigten drastischen Streichungen die schon in der vergangenen Legislaturperiode eingeleitete Verstetigung des Verteidigungshaushalts uneingeschränkt erhalten werden konnte".

Einen gefährlichen Präzedenzfall für die bundesdeutsche Rüstungsexportpolitik setzt die Bundesregierung momentan mit ihrer Behandlung der Anfragen aus Israel. Das Land, das bei einem US-Krieg gegen Irak mit irakischem Beschuss rechnen muss, hat um Patriot-Raketen und Fuchs-Transportpanzer gebeten. Letztere können aber auch in der Westbank und im Gaza-Streifen gegen Palästinenser eingesetzt werden. Zumindest für diesen Fall sprechen die von der Bundesregierung selbst ausgearbeiteten Rüstungsexportrichtlinien vom Januar 2000 eine eindeutige Sprache. Dort heißt es:

"Genehmigungen für Exporte (...) kommen nicht in Betracht, wenn die innere Lage eines Landes dem entgegensteht, z.B. bei bewaffneten internen Auseinandersetzungen oder bei hinreichendem Verdacht des Missbrauchs zu innerer Repression."

Ausnahmen gibt es nur für den Fall, dass "besondere außen- oder sicherheitspolitische Interessen der Bundesrepublik Deutschland unter Berücksichtigung der Bündnisinteressen für eine ausnahmsweise zu erteilende Genehmigung sprechen". Kriterium ist also nicht die Lage im Empfängerland, sondern das eigene Interesse.

Da die Entscheidung aber politisch brisant und zwischen SPD und Grünen umstritten ist, eigerte sich Bundeskanzler Gerhard Schröder, die Entscheidung in der Öffentlichkeit zu diskutieren, und verwies auf den letztlich zuständigen Bundessicherheitsrat. Politisch schwierige Entscheidungen trifft die Regierung also lieber am Parlament vorbei, unter Ausschluss der Öffentlichkeit und ohne Rücksprache mit den Parteien. Und die Rüstungsexportrichtlinien gelten plötzlich nur eingeschränkt.

 

     

20.07.2004

Deutschlands Interessen

Bundesministerium für Verteidigung

Deutschland kann seine Interessen nur gemeinsam mit Verbündeten und Partnern sowie im Rahmen der Europäischen Union, der NATO, der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) und der Vereinten Nationen wahrnehmen.

 

Dabei bleibt das oberste Ziel deutscher Sicherheitspolitik, die Sicherheit und den Schutz seiner Bürgerinnen und Bürger zu gewährleisten.

 

Zu Beginn des 21. Jahrhunderts ist der Beitrag der Bundeswehr zu einer Politik der Friedenssicherung noch wichtiger geworden. Die beispiellose Dimension der Terroranschläge vom 11. September 2001 verdeutlicht, was eine moderne Sicherheitspolitik im europäischen, im transatlantischen und im globalen Rahmen leisten muss.

 

In der Bekämpfung des Terrorismus zeigt sich die besondere Dringlichkeit für die internationale Staatengemeinschaft, wirksame, das heißt gemeinsame und umfassende Antworten auf neue Herausforderungen zu finden.

 

Eine umfassende und wirksame Friedenspolitik benötigt auch leistungsfähige militärische Fähigkeiten. Sie sind unerlässlicher Teil eines mehrdimensionalen Ansatzes aus politischen, wirtschaftlichen, entwicklungspolitischen und sicherheitspolitischen Instrumenten, um im Zusammenwirken mit Verbündeten und Partnern die globale Sicherheit zu stärken.

 

Die Bundeswehr hat sich durch ihre geistigen Grundlagen und die hohe Professionalität ihrer Angehörigen in ganz besonderer Weise in internationalen Friedensmissionen bewährt. Ihre Tradition des Staatsbürgers in Uniform, des Prinzips der Inneren Führung und ihre weit reichende gesellschaftliche Verankerung kommen in den vielfältigen Krisenmanagementaufgaben vom präventiven Friedenseinsatz bis zur Krisennachsorge und der Unterstützung beim Aufbau ziviler Strukturen in besonderer Weise zum Tragen. Die Bundeswehr erweist sich auch aus diesem Grund als ein besonders wichtiges Instrument einer vorausschauenden deutschen Friedenspolitik.

     

13.06.2005

"50 Jahre Bundeswehr – der deutsche Beitrag zur euro-atlantischen Sicherheit"

Rede des Bundesministers der Verteidigung, Dr. Peter Struck, auf der Konferenz IMPULSE 21 am 13. Juni 2005 in Berlin "50 Jahre Bundeswehr – der deutsche Beitrag zur euro-atlantischen Sicherheit".

Es gilt das gesprochene Wort!

 

 

Meine Damen und Herren!

Auch ich möchte Sie noch einmal zu dieser Konferenz begrüßen. Die Konferenz ist Teil einer sicherheitspolitischen Veranstaltungsreihe, die das Bundesministerium der Verteidigung 2003 unter dem Etikett "IMPULSE 21" begonnen hat.

Sie ist für mich ein Forum zum sicherheitspolitischen Dialog in Deutschland, auch und gerade unter Beteiligung von Fachleuten aus dem Ausland. Ich freue mich ganz besonders, dass in diesem Jahr auch Studenten der Bundeswehr-Universitäten, der Universität Potsdam und der FU Berlin teilnehmen. Ebenso freue ich mich über die Teilnahme der Jugendoffiziere.
Das unterstreicht unsere Absicht, den Dialog weiter zu verbreitern.

IMPULSE 21 widmet sich wichtigen Fragen internationaler Sicherheit und greift Themen auf, die für die Bundeswehr und ihre Aufgaben im internationalen Zusammenhang von besonderer Bedeutung sind. Deshalb ist die Konferenz in diesem Jahr auch Teil der Veranstaltungen im Zusammenhang mit dem 50-jährigen Bestehen der Bundeswehr.

Das Jahr 2005 ist für mich dabei weniger Anlass zur nostalgischen Rückschau, sondern bietet vielmehr Gelegenheit, über die vor uns liegenden Aufgaben und die Bundeswehr der Zukunft zu sprechen. Die Agenda dieser Konferenz konzentriert sich auf zwei Schwerpunkte.

Zum einen auf die euro-atlantische Gemeinschaft und ihre gemeinsame Strategie. Sie zu bestimmen, ist schwieriger geworden. Das hat Gründe. Ich werde darauf noch zurückkommen. Der zweite Schwerpunkt der Konferenz sind die Herausforderungen des Nahen und Mittleren Ostens. Es ist die Region, deren Entwicklung die europäische und deutsche Sicherheit in ganz besonderem Maße berührt.

Meine Damen und Herren!
Der deutsche Beitrag zur euro-atlantischen Sicherheit bestimmt sich ganz wesentlich im Rahmen von NATO und Europäischer Union. Wandel und Entwicklung von NATO und zunehmend der EU sind mit der Entwicklung deutscher Außen- und Sicherheitspolitik untrennbar verbunden.

Deutschland hat daher ein elementares Interesse an Lebensfähigkeit und Stärke beider Institutionen. Und an ihrer effektiven Zusammenarbeit.
Denn dies verschafft den Demokratien in Europa und Amerika angesichts zunehmend komplexer Herausforderungen mehr Handlungsflexibilität.

Auch 50 Jahre nach Gründung der Bundeswehr ist die Mitgliedschaft in der NATO für Deutschland Staatsräson. Über ein halbes Jahrhundert stellte die Bundeswehr den Kern westlicher Verteidigungsbereitschaft in Europa.

Deutschland erreichte über die NATO die Rückkehr in die Gemeinschaft der Demokratien und wurde zum strategischen Schlüsselstaat des Bündnisses an der Trennlinie zwischen Ost und West. Die Verankerung des vereinigten Deutschlands im Bündnis und die Schaffung der Armee der Einheit unter dem Dach der westlichen Allianz hat den herausragenden Stellenwert der NATO für Deutschlands Sicherheit unterstrichen.

Ist die NATO in der Krise? Ist die Zeit der großen Gemeinsamkeiten zwischen Europa und Amerika abgelaufen? Ich bezweifle das, ungeachtet manch skeptischer Kommentare. Man kann an die früheren Krisen erinnern, die das Bündnis überstanden hat. Die Stichworte wären Suez, Vietnam, Pershing II.

Ich verweise aber lieber auf zwei Aspekte, die mir wichtiger erscheinen.
Da ist zum einen die unbestreitbare Fähigkeit der NATO, sich in ihrer politisch-strategischen Ausrichtung und in ihren militärischen Fähigkeiten an die veränderte Sicherheitslage anzupassen. Damit hat sie es geschafft, relevant zu bleiben.

Zum anderen ist die sicherheitspolitische Kernaufgabe der Verbündeten - ungeachtet gelegentlicher Irritationen und Diskussionen zwischen den Bündnispartnern – unverändert geblieben: Europäer und Amerikaner wollen ein stabiles internationales Umfeld gewährleisten, das die Sicherheit auf beiden Seiten des Atlantiks erhöht.

Diese Aufgabe ist allerdings nicht einfacher geworden. Die komplexen Herausforderungen für unsere Sicherheit haben eine einheitliche strategische Bewertung von Entwicklungen und Bedrohungen durch die 26 Bündnispartner erschwert.

Damit fällt auch schwerer, gemeinsames Handeln zu organisieren. Überdies haben sich neben der Bedrohungslage auch die transatlantischen Partner verändert. Das betrifft Stärke und Selbstverständnis der amerikanischen Führungsmacht, aber auch Integration und sicherheitspolitische Handlungsfähigkeit der Europäer.

Meine Damen und Herren!
Das Engagement in und die Stärkung der Allianz ist und bleibt ein grundlegendes sicherheitspolitisches Interesse Deutschlands.
Der Beitrag der Bundeswehr zur NATO Response Force kann sich sehen lassen.
Darüber hinaus ist Deutschland mit mehr als 5.000 Soldatinnen und Soldaten an Einsätzen der NATO beteiligt. Das ist der mit Abstand größte Beitrag unter allen NATO-Mitgliedern. Die militärische Transformation der NATO ist seit 2002 weit vorangekommen. Aber das reicht nicht aus. Wir müssen der NATO wieder den hohen politischen Stellenwert geben, der ihr in einer Welt neuer globaler Herausforderungen zufallen muss.

Die deutsche Initiative von München im Februar hat genau dieses angemahnt. Und es ist gut, dass sich seither der NATO-Generalsekretär und zahlreiche andere NATO-Mitglieder dieser Forderung angeschlossen haben. Denn die NATO bleibt als zentraler transatlantischer Konsultations- und Handlungsrahmen ohne Alternative.

Es ist wichtig in diesem Zusammenhang, den Dialog gerade auch auf der Ebene der Verteidigungsminister zu intensivieren. Dazu sollten die Treffen der Minister entfrachtet werden von Routineangelegenheiten. Sie müssen politisch wie militärisch ihren Charakter verändern.

Die Konsultationen müssen informeller geführt werden können. Externe Expertise kann genutzt werden. Wir benötigen ein politisch-strategisches Grundverständnis über das, was die NATO im 21. Jahrhundert leisten kann und soll.

Auch dies muss stärker im politischen und strategischen Dialog auf der Ebene der Verteidigungsminister diskutiert werden. Ich hielte es in diesem Zusammenhang für zweckmäßig, dass der Transformationsprozess im Bündnis, der ja untrennbar mit der Transformation der nationalen Streitkräfte verknüpft ist, stärker politisch gesteuert wird.

Auch hier sehe ich eine besondere Rolle der Verteidigungsminister, die durch untergeordnete Arbeitsforen in der NATO unterstützt werden könnte. Es ist mein Ziel, dass bereits zum nächsten informellen NATO-Ministertreffen im September in Berlin ein neues Format etabliert werden kann.

Meine Damen und Herren!
Deutschland ist seit Jahren ein Motor für eine starke Rolle Europas, gerade auch in der Außen- und Sicherheitspolitik. Wir verstehen Europa als Friedensmacht. Wir lassen dabei den Worten auch Taten folgen!

Die Bundeswehr stellt auch das größte Kontingent des EU-geführten Einsatzes in Bosnien. Zu den sogenannten Battlegroups der EU trägt die Bundeswehr in den kommenden Jahren einen herausragenden Anteil bei.

Die EU kann aber die NATO in vielerlei Hinsicht weder ersetzen, noch stellt sie ein Gegengewicht zur NATO dar. Richtig ist auch, dass die komplexen sicherheitspolitischen Herausforderungen in der heutigen Zeit nicht mehr den Luxus erlauben, auf nur eine Sicherheitsinstitution zu setzen.

Für die Krisenbewältigung und die schwierige Aufgabe des "nation-building" müssen immer häufiger die Fähigkeiten verschiedener Akteure genutzt werden.
Die strategische Partnerschaft zwischen der NATO und der EU muss fester Bestandteil der neuen Sicherheitslandschaft werden: zum Nutzen der gemeinsamen Sicherheit der euro-atlantischen Demokratien.

Das jüngste Beispiel ist Darfur: Hier wird die Afrikanische Union künftig von EU und NATO gemeinsam unterstützt werden. Dabei kommen Stärken beider Organisationen zum Tragen. Allerdings sollte es nicht, wie in den letzten Wochen geschehen, im Vorfeld zu einer Art Schönheitswettbewerb zwischen NATO und EU kommen. Manchmal hat man den Eindruck, dass sich die beiden Bürokratien in Brüssel gegenseitig blockieren. Dort, wo es um die praktische Zusammenarbeit geht, wie beispielsweise bei der Operation ALTHEA in Bosnien, ist die Kooperation weit einfacher als in den Bürokratiezentralen.
Die Zusammenarbeit und Rollenverteilung muss von dem Bestreben geleitet werden, das bestmögliche Ergebnis für Sicherheit und Stabilität zu erzielen!

Dazu könnten auch einige weitere Schritte beitragen. Ich denke dabei an die Intensivierung des Dialogs, zum Beispiel durch Teilnahme des NATO-Generalsekretärs bzw. des Hohen Repräsentanten der EU an den jeweiligen Ratssitzungen und mehr Entscheidungskompetenzen für gemeinsame NATO/EU-Gremien. Wir sollten mittelfristig auch prüfen, inwieweit wir die sogenannte Berlin+-Vereinbarung, die die Möglichkeit des Rückgriffs der EU auf NATO-Mittel und Fähigkeiten regelt, im Sinne der gegenseitigen Verfügbarkeit von Mitteln und Fähigkeiten weiter entwickeln. Schließlich dürfen wir auch nicht vergessen, dass es politische Fragen gibt, die zwingend zwischen der EU und den USA erörtert werden sollten. Hierfür fehlt der Konsultationsrahmen.

Meine Damen und Herren!
Im Jahr des 50-jährigen Bestehens der Bundeswehr ist Deutschland nicht nur politisch, sondern auch real mit Fähigkeiten und Beiträgen der euro-atlantischen Sicherheit verpflichtet. Wir stellen uns der internationalen Verantwortung. Wir sind bereit, den berechtigten Erwartungen an uns gerecht zu werden.

Wir versuchen zunehmend, internationales Handeln, gerade wenn es um die Beteiligung an militärischen Einsätzen geht, noch konsequenter aus der Interessenlage Deutschlands abzuleiten. Das ist, wie wir alle wissen, kein einfaches Unterfangen.

Deutschland tut sich aus guten historischen Gründen und schlechten historischen Erfahrungen schwerer als andere Nationen, seine Interessen zu definieren. Es ist darüber hinaus für jede deutsche Regierung immer noch eine relativ neue Situation, über Einsätze in anderen Regionen der Welt, wo die Existenz Deutschlands nicht unmittelbar bedroht ist, zu entscheiden.
Dass unsere Sicherheit auch am Hindukusch verteidigt wird, wird mittlerweile kaum noch bezweifelt.

Aber nicht bei jedem Einsatz ist für alle nachvollziehbar, warum die Bundeswehr in bestimmte Einsätze geht, wo Deutschlands Sicherheitsinteressen berührt sind. Richtig ist, dass wir nicht versuchen sollten, uns hinter der Definition europäischer Interessen zu verstecken. Allerdings sollten wir natürlich anstreben, so oft es geht, gemeinsame europäische Positionen zu entwickeln, was die Erörterung der Interessenlage einschließt.

Unstreitig ist aus meiner Sicht auch, dass es für eine deutsche Regierung angesichts der hohen Risiken für Leib und Leben unserer Soldatinnen und Soldaten keinen Automatismus geben kann – zum Beispiel in Form eines verbindlichen Kriterienkatalogs –, der einen militärischen Einsatz ohne politische Abwägungen vorsieht.

Jede Entscheidung über den Einsatz von Streitkräften muss individuell und sorgsam abgewogen wird. Militärisches Eingreifen bleibt das äußerste Mittel der Politik, es darf nicht zum beliebigen Mittel werden, weil uns politische Maßnahmen als zu schwierig erscheinen. Es liegt im deutschen Interesse, dass die Bundeswehr in Afghanistan ist und dort eine führende Rolle übernommen hat.

Sie tut das, um den demokratischen und gesellschaftlichen Aufbau abzusichern, weil nur so dem Terrorismus die Grundlagen entzogen werden können. Es liegt im deutschen Interesse, dass wir uns im Sudan mit der Bundeswehr engagieren.
Nicht nur, um Völkermord zu verhindern, sondern weil Europa gegenüber dem afrikanischen Kontinent eine besondere Verantwortung hat und es nicht in unserem Interesse liegt, dem Zerfall von Staaten tatenlos zuzusehen. Denn dieser führt zu Flüchtlingsströmen und kann terroristische Aktivitäten fördern. Es bleibt allerdings auch richtig, dass Deutschland sich nicht am Irak-Krieg beteiligt hat.

Es liegt nun aber in unserem Interesse, dass sich das Land und die Region stabilisiert und wir uns deshalb substanziell an der Ausbildung und Unterstützung irakischer Sicherheitskräfte beteiligen. Den Rahmen hierzu haben wir mit der strategischen Partnerschaft mit den Vereinigten Arabischen Emiraten geschaffen.

Wenn die Vereinten Nationen, die NATO oder die EU uns um Unterstützung mit militärischen Kräften bitten, dürfen wir im Übrigen nie vergessen: In diesen Einsätzen können Soldaten ihr Leben verlieren. Nicht nur durch Unfälle, sondern auch in der militärischen Auseinandersetzung. Dies ist durchaus realistisch und muss daher bei jeder Einsatzentscheidung mitbedacht werden. Ich als Minister, aber auch alle Abgeordneten des Deutschen Bundestages müssen sich dieser Verantwortung immer bewusst sein.

Meine Damen und Herren!
In den vergangenen Jahren sind die notwendigen Entscheidungen getroffen worden, um die Bundeswehr an völlig veränderte Aufgaben anzupassen. Nicht zum ersten Mal in ihrer 50-jährigen Geschichte bedeutet dies für die Angehörigen der Bundeswehr massive Struktur- und Standortveränderungen und damit verbundene Belastungen.

Nur auf diese Weise können wir aber die 50-jährige Erfolgsgeschichte der Bundeswehr fortschreiben. Wir wollen die Bundeswehr als leistungsfähiges Mittel deutscher Außenpolitik erhalten, und wir wollen Deutschlands wichtigen militärischen Beitrag zur Gewährleistung der euro-atlantischen Sicherheit auch weiterhin gewährleisten.

Die Transformation der Bundeswehr schließt überdies eine zukunftssichere Wehrform ein. Sie ist mit der Allgemeinen Wehrpflicht gegeben. Ich werde weiterhin für sie eintreten, denn ich weiß: Sie ist für die Einsatzfähigkeit der Bundeswehr unerlässlich.

Und sie bietet die Gewähr, die enge Verknüpfung zwischen den Streitkräften und der Gesellschaft, wie sie für die 50 Jahre der Bundeswehr so charakteristisch war, auch unter den veränderten Bedingungen des 21. Jahrhunderts zu erhalten.
Ich habe das Wort von der "Verteidigung am Hindukusch" geprägt.

Aber ich gehöre auch zu denjenigen, die den hohen Stellenwert der inneren Verbindung von Bürger und Staat und der hohen An-teilnahme der Zivilgesellschaft in Deutschland an den Belangen und Geschicken der Bundeswehr immer für außerordentlich wichtig gehalten haben.

Meine Damen und Herren!
Ich möchte damit meine einleitenden Bemerkungen beenden. Ich wünsche uns allen eine spannende und inspirierende Konferenz.

 

 

 

 

 

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Die deutsche Atlantische Gesellschaft

Seit bald 50 Jahren hat es sich die Deutsche Atlantische Gesellschaft zur Aufgabe gemacht, das Verständnis für die Politik und die Ziele des Atlantischen Bündnisses in der Öffentlichkeit zu vertiefen. Durch Vorträge, Fachtagungen, Seminare und Informationsfahrten machen wir unseren Mitgliedern die Entwicklung der NATO zugänglich.   In Vorträgen werden aktuelle sicherheitspolitische Themen behandelt.   Als Redner sind namhafte in- und ausländische Referenten aus Politik, Diplomatie, Wirtschaft und Wissenschaft, sowie Vertreter der NATO und der Bundeswehr zu Gast.   Besondere Fachtagungen mit sicherheitspolitischem Schwerpunkt werden u.a. für Lehrer und Schüler durchgeführt.   Für die "Jungen Atlantischen Politiker", d.h. Mitglieder unter 40 Jahren, werden eigene Vorträge und Seminare veranstaltet. Vor allem Angehörigen dieser Generation wird die Möglichkeit gegeben, an Seminaren im Ausland teilzunehmen.   Informationsfahrten finden mehrmals jährlich statt. Dabei werden unter anderem Einrichtungen der NATO in Brüssel, Mons und Brunssum besucht.

Die Deutsche Atlantische Gesellschaft hat Arbeitskreise in ganz Deutschland

 

 

 

 

 

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27.02.1955

 

Der Bundestag ratifiziert die Pariser Verträge

Mit den Pariser Verträgen band sich die junge Bundesrepublik Deutschland endgültig an den Westen. Das Land wurde Mitglied der NATO und der Westeuropäischen Union. Vor allem aber stellte die Bundesrepublik eine neue Armee auf, die Bundeswehr, und beteiligte sich mit diesen Streitkräften am westlichen Militärbündnis. Außerdem regelten die Verträge die Stationierung ausländischer Streitkräfte. Im Gegenzug erhielt die Bundesrepublik Deutschland ihre Souveränität zurück. Die Verträge waren in Deutschland umstritten. Kritiker warfen der Bundesregierung unter Kanzler Konrad Adenauer vor, mit der Westbindung die deutsche Einheit aufzugeben. Der Bundestag debattierte 40 Stunden lang heftig über die Pariser Verträge und stimmte ihnen dann zu. Bis 1991 blieb das Vertragswerk die völkerrechtliche Grundlage für die Außenbeziehungen der Bundesrepublik

 

Adenauer auf der Pariser Konferenz

 

 

 

5.05.1955

Die Pariser Verträge treten in Kraft

Nach vier Jahren zähen Ringens um eine Europäische Verteidigungsgemeinschaft (EVG) mit bundesdeutscher Beteiligung scheiterte das Projekt der EVG schließlich am 30. August 1954 in der französischen Nationalversammlung. Eine Ersatzlösung musste her, und dies so schnell wie möglich. Man beriet zunächst eilends in London, dann, vom 19. bis 23. Oktober 1954, in Paris. Am Ende der Pariser Konferenzen stand ein Bündel von elf Verträgen und Abkommen: die sogenannten Pariser Verträge. Sie regelten die internationale Stellung der Bundesrepublik Deutschland nach dem Scheitern der EVG.

Mit dem Inkrafttreten der Pariser Verträge am 5. Mai 1955 wurde das Besatzungsstatut aufgehoben und die Bundesrepublik Deutschland souverän! Die Besatzungsmächte nannten sich fortan Schutzmächte, die Hohen Kommissare fungierten künftig als Botschafter, und Bundeskanzler Konrad Adenauer übertrug Heinrich von Brentano die Leitung des Auswärtigen Amtes. Einzig die Vorbehaltsrechte in Bezug auf Berlin und Deutschland als Ganzes sowie einige Sonderrechte, insbesondere zur Truppenstationierung, verblieben bis zur endgültigen vertraglichen Regelung im Jahre 1990 in alliierter Hand.

Zudem regelten die Pariser Verträge das Problem der bundesdeutschen Wiederbewaffnung. Sie gründeten die Westeuropäische Union (WEU), die als Verteidigungssystem die gescheiterte EVG ersetzte und die Voraussetzung für den bundesdeutschen Eintritt in die NATO schuf.

Schließlich fand sich in Paris auch eine Regelung für den deutsch-französischen Zankapfel der Saar. Die französische Regierung hatte den Abschluss des Saarstatuts zur Vorbedingung für das Zustandekommen der übrigen Westverträge gemacht. Niemand mochte zu diesem Zeitpunkt ahnen, dass sich die Saarbevölkerung ein Jahr später in einer Volksabstimmung gegen diesen vereinbarten Autonomiestatus mit enger ökonomischer Bindung an Frankreich entscheiden sollte.

Die Pariser Verträge 1954/55 bilden die erste große Zäsur in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland: Die Bonner Republik fand – fast auf den Tag genau 10 Jahre nach der bedingungslosen Kapitulation – als gleichberechtigter Partner in die westliche Staatengemeinschaft zurück. Dabei waren die politischen und militärischen Bedingungen aus Bonner Sicht sehr viel günstiger, als sie im Rahmen der EVG ausgefallen wären. So wurde nun etwa der von Adenauer im Grunde ohnehin stets favorisierte NATO-Beitritt erreicht. Doch fand das Vertragswerk keineswegs einhellige Zustimmung. Die SPD-Opposition votierte im Bundestag gegen die Ratifizierung, weil die verstärkte Westbindung – nach ihrem Dafürhalten – die deutsche Teilung unnötig vertiefte. Zudem fiel mit den Pariser Verträgen freilich auch den Startschuss zur gesellschaftlich stark umstrittenen Wiederbewaffnung und löste eine Welle pazifistisch-neutralistisch motivierten Protests (Stichworte Paulskirchenbewegung, "ohne mich") aus.

Im Vergleich zur Bonner Entscheidung mutet die französische Einwilligung in die Pariser Verträge auf den ersten Blick paradox an. Schließlich stimmte die Nationalversammlung nun ohne zu zögern einer nicht-integrierten, selbständigen (bundes-)deutschen Armee ohne direkte Kontrollmöglichkeiten zu, die Pleven-Plan und EVG um alles in der Welt hatten zu verhindern versucht. Gewiss, Bonn erkaufte das Pariser Jawort mit dem Verzicht auf den Besitz von ABC-Waffen. Doch verständlich wird das französische Einlenken erst mit dem Blick auf die weltpolitische Lage (Stichwort Indochina) einerseits sowie die innere Krise der IV. Republik andererseits. Mit den Pariser Verträgen gebot die Regierung Mendès France einer weiteren Preisgabe nationalstaatlicher Souveränität, insbesondere auf dem sicherheitspolitischen Sektor, Einhalt. Der Weg zur Force de frappe blieb offen. Kurzum: Die französische Nation erinnerte sich ihrer Größe.

Einen Wendepunkt markierten die Pariser Verträge aber auch für das westliche Europa. Mit der EVG waren die Pläne einer bundesstaatlich organisierten Politischen Gemeinschaft gescheitert, hatten die europäischen Integrationsbestrebungen insgesamt einen herben Rückschlag erlitten. Auch wenn die einst mit der Montanunion begonnene wirtschaftliche Integration wenig später in den Römischen Verträgen des Jahres 1957 intensiviert werden sollte, war ein europäischer Bundesstaat in weite Ferne gerückt. Die Weichen blieben auf nationalstaatliche Kooperation gerichtet.

Bundeskanzler Adenauer auf der NATO-Konferenz

 

 

 

 

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