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Die K.D.St.V. Staufia zu Bonn
im CV
von ihrer Gründung bis zur
vorläufigen,
aber dennoch vollständigen
Auflösung
im April 1939
Von den Anfängen bis zum Ende des
Ersten Weltkrieges
Der Cartellverband der
farbentragenden deutschen Studentenverbindungen (CV) hatte bis zum Jahr 1899 ein
so genanntes „Singularitätsprinzip“, welches bedeutete, dass an einer deutschen
Hochschule nur eine Verbindung CV-Mitglied werden konnte. Mit dem Fall dieses
Prinzips und im Zuge des akademischen Kulturkampfes, d.h. des Kesseltreibens
gegen katholische Korporationen in der Hochschullandschaft, bildeten sich zu
Beginn des 20.Jh. viele neue CV-Verbindungen.
So wurde an der Rheinischen
Friedrich-Wilhelms-Universität zu Bonn von der K.D.St.V. Bavaria im Jahre 1905
(28.02.) eine Tochterverbindung gegründet, die den Namen Staufia erhielt. Zu den
Gründern der K.D.St.V. Staufia zählten:
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Peter von Coellen (BvBo) |
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Erster Philistersenior bis 06.09.1910 |
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Karl August Liessem (ArH) |
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Erster Senior, Philistersenior 31.07.1910 bis 31.07.1919 |
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Die Staufia bekam die Farben
hellgrau-weiß-hellblau, die Fuchsenfarben hellgrau-weiß, als Kopfcouleur einen
grauen Tuchstürmer, der heute ein hellgrauer Seidenstürmer ist. Der Wahlspruch
der Staufia lautete von da an: „suum cuique- jedem das seine“, welcher aus der
Bibel stammt, von diversen Schriftstellern behandelt und von Preußen übernommen
wurde. Gründungssenior war Karl-August Liessem (ArH), der später Philistersenior
von 1910-1919 war. Erster Philistersenior war Peter von Coellen.
Die Publikation der Staufia fand im
Rahmen des 61. Stiftungsfestes der Bavaria vom 01.- 03. Juli 1905 statt. Ort des
Festkommerses war die Stadthalle in Gronau, die im heutigen Regierungsviertel
lag. Den Vorsitz übernahm Bavaria, die auch die Publikation Staufiae ausführte.
Der Gründungssenior Liessem legte das Gelöbnis der Treue zum Cartellverband ab.
Damit wurde Staufia in den CV aufgenommen.
Laut Academia vom 15.11.1905 meldete
Staufia bereits 23 Bundesbrüder (Aktivitas), welche folgendermaßen aufgegliedert
waren:
5 Burschen
6 Füchse
12 Inaktive
Ende 1907 beschloss man die
Einrichtung des Heimvereins Staufia.
Vorsitzender
wurde das erste Ehrenmitglied Justizrat Notar Hubert Schorn, der auch die
Satzung des Heimvereins ausarbeitete und die Eintragung beim Amtsgericht Bonn
erwirkte. Staufia war somit eingetragener Verein und bezog ihr erstes Haus in
der Bachstraße. Dort sollte sie bis nach dem Ersten Weltkrieg ihr Heim finden.
Von da an wuchs die Mitgliederzahl
der Staufia stetig. Zwar hatte man nie eine der größten Aktivitates, doch man
legte auch viel mehr Wert auf Bundesbrüderlichkeit; „Mitglieder, die zu uns
passen!“.
Im Sommersemester 1914, also vor dem
Ausbruch des Ersten Weltkrieges, hatte Staufia 89 Mitglieder, die sich wie folgt
verteilten:
20 Urphilister
33 Bandinhaber
22 Urstudierende
14 Bandinhaber
Im Ersten Weltkrieg verlor Staufia 9
Bundesbrüder (zum Vergleich: der gesamte CV verlor 1282 Mitglieder im Krieg oder
an den Folgen). Diesen Bundesbrüdern wurde eine eherne Tafel mit ihren Namen als
Gedächtnis entworfen und in den Häusern auf der Römerstraße bzw. Quantiusstraße
angebracht. Leider ist diese Tafel nach der Liquidierung des Hauses in der
Quantiusstraße verloren gegangen.
Vom Neubeginn nach dem Ersten
Weltkrieg bis zum Ende des Jahres 1932
Der Neubeginn nach dem Kriege war
schwer. Das Haus in der Bachstraße war viel zu klein, um Neofüchse und
Cartellbrüder unterzubringen, die in Scharen herbeieilten. Außerdem hatte der
Krieg für eine weitere Reduzierung der Unterbringungsmöglichkeiten gesorgt.
Ein neues Haus wurde angekauft. Man
schied mit Wehmut aus dem Alten, und bezog das Neue in der Römerstraße 13.
Das Sommersemester 1919 brachte die
stattliche Zahl von 14 Neofüchsen mit sich. Das Haus musste noch für caritative
Zwecke abgestellt werden, wie es wörtlich heißt, „mit Einquartierung belegt“.
Der Staufia war außerdem das Farbentragen noch nicht wieder gestattet worden.
So engagierte man sich im
hochschulpolitischen Bereich, wo man im Wintersemester 1919/1920 drei
Bundesbrüder in den Allgemeinen Studentenausschuß (ASTA) entsand. Später sogar,
in den Jahren 1929/1930 hatte Staufia mit Bundesbruder Dr. Erich Mays den ASTA-
Vorsitzenden, der als Kandidat des Ringes katholischer Korporationen angetreten
war.
Auf dem 15. Stiftungsfest Staufiae
war schon aufgrund geringer Probleme und großer Begeisterung innerhalb der
Verbindung ein Auftrieb erkennbar. Im Jahre des 20-jährigen Bestehens (1925)
zählte Staufia 250 Mitglieder.
In den goldenen 20er und auch bis
zur Auflösung der Aktivitas 1936 wurde viel Sport getrieben. Treffend
formulierte Bbr. Dr. J. Aengenendt: „Nicht weil es hochmodern ist, sondern weil
sie es lange schon als notwendig erkennt, treibt Staufias Aktivitas Sport!“
Staufia besaß drei Sportboote, das erste seit Juli 1924. Der Bootswart war oben
Zitierter. Es gab ein Ruderlied und eine Staufen- Ruderstrophe. Diese lautete
wie folgt:
Stark der Arm und klar das Auge,
Braun die Wange, frisch der Mut
Furchen Staufias Ruderknechte
Froh des Rheines grünen Flut.
Und der grau-weiß-blaue Wimpel
Und das Fähnlein an der Brust
Sollen allezeit verkünden
Euch von Staufias Ruderlust.
Sehr beliebt waren in den 20er
Exbummel an den Wochenenden. Man fuhr damals nicht „nach Hause“ (Heimfahrer =
Vaganten). Dies hatte verschiedene Gründe:
-
Schlechte Bahnverbindungen, man
hatte natürlich zu der Zeit kein eigenes Auto.
-
Es fehlte auch an Geld, um
ständige Heimfahrten zu finanzieren.
„Couleurfrei“ gab es zu der Zeit nur
nach dem sonntäglichen Frühschoppen, welcher auf der „Kaiserhalle“ am
Kaiserplatz stattfand. Im Sommer trafen sich dort die bunt- bemützten Scharen,
denn die Terrasse war ein beliebter Korporiertentreff. Heute steht an dieser
Stelle der Busbahnhof.
Das Jahr 1930 beinhaltete dann
Staufias letztes großes Fest vor der Auflösung (siehe Bild im Kneipsaal mit 79
Gastchargierten). Die Feierlichkeiten zum 25. Gründungsfest wurden von den
Bundesbrüdern Staufiae, mittlerweile gut 300, großartig gefeiert:
Festgottesdienst, Festkommers in der
Beethovenhalle, Festzug, Gedenken der Toten auf dem Alten Zoll, Festessen, Fahrt
nach Boppard mit einem Sonderdampfer der „Köln- Düsseldorfer“, Exbummel zu
„Villa Friede“ nach Mehlem.
Alle drei Tage des Festes stand ganz
Bonn im Zeichen der grau-weiß-blauen Fahnen.
Es sollten noch zwei friedliche
Jahre des Korporationswesens folgen. Doch je näher man dem Ende dieser beiden
Jahre kam, desto mehr spürten die Bundesbrüder, dass eine Zeit des Umschwungs
anstand, die viele Werte zerstören sollte.
Von der Machtergreifung bis zum
vorläufigen Ende der Verbindung 1936/38/39
In dieser Zeit waren Cartell- und
Verbindungsgeschichte eng miteinander verbunden. Den Cartellverband trafen die
Gesetze und Verordnungen des NS- Regimes und diese schlugen sich
selbstverständlich auf die Verbindungen nieder. 1931 hatten sich die deutschen
Bischöfe eindeutig dagegen ausgesprochen, dass Katholiken gleichzeitig Mitglied
der NSDAP waren. Die 61. Cartellversammlung in München im August 1932 kam mit
überwältigender Mehrheit (117:5 Stimmen) zu derselben Ansicht. Damit war eine
Mitgliedschaft in der NSDAP und in einer CV- Verbindung unvereinbar.
Als Adolf Hitler am 30. Januar. 1933
Reichskanzler wurde, sah man die Gefahr noch nicht als „so bedrohend“ an, denn
Hindenburg war noch Reichspräsident und Vizekanzler war der katholische
ehemalige Zentrumsabgeordnete Franz von Papen. Außerdem wurde der Machtwechsel
als „Nationale Erhebung“ propagandiert und das nationale Gefühl sprach auch
viele kirchentreue Katholiken an.
Nachdem Hitler am 23. März
versprach, freundschaftliche Beziehungen zum Vatikan zu pflegen und damit auch
dem Misstrauen aus der katholischen Bevölkerung entgegnete, hoben die Bischöfe
das Verbot von 1931 auf. Der Altherrenbund (AHB) und der Vorort Aenania
erklärten den CV- Beschluss von 1932 für hinfällig und teilten dies den
einzelnen Verbindungen am 4. April mit. Nun folgten zwei Arten von Reaktionen
durch die einzelnen CV- Verbindungen:
-
Es gab Ergebenheitstelegramme ohne
Abstimmung mit dem Vorort (der CV tat dies erst am 6. Mai)
-
Verbindungen, besonders auch
Bonner CV- Verbindungen und mit ihnen auch Staufia, stellten sich damals gegen
den Vorort.
Am 22.4.1933 hatte die „Deutsche
Studentenschaft“ (D.St.) von Staat und Partei den Auftrag erhalten „mitzuwirken,
dass sie Studenten ihre Pflichten gegen Staat und Hochschulen erfüllen“, d.h.
„Gleichschaltung“ der Studenten und der studentischen Verbände.
Mit der Heidelberger Verfassung des
CV (.10.1933) wurde ein straffes Führerprinzip eingeführt. Der CV sollte seine
Mitglieder im Sinne der NSDAP erziehen:
„Der CV, Cartellverband der
Katholischen Deutschen Studentenverbindungen, ist ein Bund deutscher Studenten
katholischen Bekenntnisses zur Erziehung seiner Mitglieder im Sinne der
nationalsozialistischen Weltanschauung.“
Mit dem Führerprinzip kam also auch
eine neue Aufgabe auf den CV zu. Doch bereits am 10. Juli 1933 waren die
österreichischen Verbindungen wegen ihrer Haltung zur NSDAP aus dem CV
ausgetreten (Gründung des ÖCV).
Nun forderte die D. St. ernsthaft,
dass alle Studenten- auch die katholischen- die Satisfaktion mit der Waffe
suchen müssten. Schließlich wurden die Verbindungshäuser in Kameradschaftshäuser
umgewandelt. Diese Häuser sollten zu Erziehung der Studenten im Sinne der NSDStB
(Nationalsozialistischer Deutscher Studentenbund) dienen.
Bei Staufia ging im Sommersemester
1933 und im Wintersemester 1933/34 der „Verbindungsbetrieb“ normal weiter. Die
Seniores Bbr. Josef Werres (gest. 1979) und Bbr. Josef Heinrich Euter (vermisst
1944) führten die Tradition erfolgreich weiter.
Dennoch gab es bedeutende
Einschnitte in das Verbindungsleben. Der D. St. legte großen Wert auf Wehrsport
und ohne Mitgliedschaft in der SA konnte kein Studium begonnen, geschweige denn
fortgesetzt werden. So wurde letztlich auch das Staufenhaus in der
Quantiusstraße 17 zum Kameradschaftshaus umgebaut. Die finanziellen Kosten trug
die Altherrenschaft. Einziges Positivum war, dass durch den Zwang zur
„Wohnkameradschaft“ im Sommersemester 1934 sechs Füchse rezipiert wurden.
Der Sinn der Wohnkameradschaft wurde
bei Staufia restlos verfehlt. Kein Bundesbruder war innerlich bereit, sich
diesem Zwang zu unterwerfen. Allerdings waren Kontrollen der örtlichen
Studentenschaft stets zu erwarten. Politische Themen waren in der Verbindung
heiß diskutiert, doch hätte hierbei kein NS- Lauscher anwesend sein dürfen.
Viele Bundesbrüder wurden durch ein
umfangreiches militärisches Ausbildungsprogramm mit Wehrsportlager während des
Semesters und in den Semesterferien schwer belastet. Es war jedoch Pflicht, da
das SA- Hochschulamt dies im Sommersemester angeordnet hatte.
An der Fronleichnamsprozession des
Jahres 1934 nahm Staufia in Vollwichs bzw. in Vollcouleur teil. Dies führte zum
Farbenverbot durch den Studentenführer.
Während dieses Farbenverbotes fand
auf dem Marktplatz eine gemeinsame, angeordnete Kundgebung von Farbenstudenten
und Hitler- Jugend statt, die die nationalsozialistische Gemeinsamkeit der
beiden Gruppen auch nach einem tätlichen Angriff der HJ auf einen
couleurtragenden Farbenstudenten demonstrieren sollte. Der Staufia blieb
aufgrund des Farbenverbotes diese Kundgebung erspart. Viele Farbenstudenten
traten in „Räuberzivil“, d.h. Couleur auf Stiefelhose oder Pullover. Die
Veranstaltung platzte, als der HJ- Gebietsführer die Farbenstudenten anpöbelte
und diese darauf mit Gesang der alten Studentenlieder durch die Stadt zum Alten
Zoll zogen.
Sofort erließ der Studentenführer
ein allgemeines Farbenverbot, welches der Rektor – selbst Waffenstudent –
aufhob, da Farbenverbote in seinen Zuständigkeitsbereich fielen. Am folgenden
Tag bot sich ein buntes Bild in der Bonner Innenstadt, da farbentragende
Studenten und Alte Herren aller Altersstufen sich dort trafen.
Nach dem Sommersemester 1934 wurden
die Wohnkameradschaften und das SA- Hochschulamt aufgelöst, da es Differenzen
und große Streitigkeiten zwischen D. St., dem zuständigen Reichsminister, NSDStB
und der Gemeinschaft studentischer Verbände (GStV) gab.
Dies ermöglichte den Korporationen
eine Atempause bis zum September 1935.
Es folgten nach den Ereignissen des
Sommersemesters 1934 ein unbeschwertes Wintersemester 1934/35 unter dem Seniorat
von Bbr. Adolf Hinsen und ein sehr schönes Sommersemester 1935 mit dem Senior
Bbr. Karlgustav Frenz. Das 30. Stiftungsfest war dann auch das letzte gemeinsame
Auftreten der Staufenfamilie in der Öffentlichkeit. Am 27.10.1935 wurde die
Aktivitas des CV gegen die Stimmen von Staufia und vier weiteren Verbindungen
aufgelöst.
Die gleiche Haltung nahm der CC des
Gründungsfestes 1936 ein, wo aus Kreisen der Altherrenschaft die
Selbstauflösung der Aktivitas gefordert wurde. Allerdings von Bundesbrüdern,
die noch im Februar 1936 aus der Verbindung austraten.
Der Verbindungsbetrieb lief zwar
weiter, doch Staufia hatte akuten Nachwuchsmangel und trat auch in der
Öffentlichkeit nicht mit ihren Farben auf.
Der Senior des Sommersemesters 1936,
Bbr. Karl Michels, hatte als einzige Aufgabe, die Bundesbrüder auf einem
außerordentlichen CC zu begrüßen und die Aktivitas zu schließen. Die aktiven
Bundesbrüder wurden in die Altherrenschaft aufgenommen und nach dem Examen
philistriert.
Nach der Auflösung des AHB des CV
1938 und damit aller Altherrenverbände durch den Erlass des Reichsführers der SS
und Chef der GeStaPo, Heinrich Himmler, war das einzige noch intakte Glied der
Verbindung der Heimverein. Das Haus war inzwischen enteignet worden. Im April
1939 der Heimverein in der Sitzung im Hotel „Kölner Hof“ am Kölner Hauptbahnhof
unter Beisein der GeStaPo aufgelöst. Es Wurde mitgeteilt, dass jede weitere
Versammlung der Bundesbrüder verboten sei. Die Bundesbrüder Staufiae jedoch
widersetzten sich und trafen sich schon kurze Zeit später in der nur wenige
Minuten entfernten „Ewigen Lampe“.
Das achteinhalb Jahre später die
K.D.St.V. Staufia offiziell wiederbegründet würde, wagte in diesem Moment keiner
zu hoffen.
Matthias
Döveling, St!
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